Brüder, hört mir zu! In diesem Mann, Jesus, findet ihr Vergebung für eure Sünden.

Wer an ihn glaubt, wird von aller Schuld frei und vor Gott gerecht gesprochen - wie es das jüdische Gesetz nie vermochte.

(Apostelgeschichte 13,38-39)

 

Immer wieder wird in der Bibel von «Gnade» gesprochen. Ein abstraktes, altmodisches Wort, doch es scheint für den christlichen Glauben essentiell zu sein. Nachfolgend einige Gedanken zu diesem Wort. Im Lexikon wird Gnade folgendermaßen beschrieben:

unverdiente Gunst, Zuneigung, Hilfe, Liebeserweis, Güte, Nachsicht, Schonung, Wohltat ohne Erwartung einer Gegenleistung, Barmherzigkeit, Wohlwollen. Im Mittelhochdeutschen bedeutete Gnade auch: sich zum Ausruhen niederlassen, Glück und Erbarmen. Das Gegenteil von Gnade ist Ungnade, Willkür, Gnadenlosigkeit, Unbarmherzigkeit.7

Gottes Gnade

Gottes Gnade ist mehr als herablassendes Gönnertum.Wenn die Bibel von Gnade spricht, schwingt immer Gottes tiefe Zuneigung und Wohlwollen mit. Zum Beispiel wird Jesus als Kind in der Bibel so beschrieben: «Er nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade vor Gott und den Menschen.» In anderen Übersetzungen heißt es da: «Gott und die Menschen liebten ihn» (Lukas 2,52). Gottes Gnade normalen Menschen gegenüber ist eng verknüpft mit dem Versprechen, dass Gott einen nicht fallen lässt. «Mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser» (Jesaja 54,8). Oder: «Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken, verspreche ich, der Herr, der dich liebt» (Jesaja 54,10).

Das Evangelium von Gottes Liebe und Gnade

Die Botschaft von Jesus war eindeutig: Gott liebt Menschen, ohne dass sie es sich verdienen können. Nicht wenn der Mensch gut, brav und tugendhaft ist, liebt Gott. Gott liebt bedingungslos, weil er es so will. Er schaut wohlwollend auf die Menschen. Er erwartet keine Gegenleistung. Vor ihm muss man nichts leisten, niemand sein; man kann sich einfach niederlassen, um auszuruhen. Das ist Gnade. Das Leben und Sterben von Jesus sollte der endgültige Beweis dieser Liebe und Gnade Gottes zu den Menschen sein. Mit diesen Gedanken wünsche ich eine „gnadenvolle“ Herbst- und Adventszeit!

Euer Dirk Staudinger