Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. (Psalm 23,1)

Wenn jemand einen Psalm auswendig kann, dann diesen. Es gibt wohl keinen Text aus der Bibel, der bekannter als der Psalm 23 ist. Er ist die Quelle für unzählige Bilder und Skulpturen, obwohl er mehr ist als ein schöner Gedanke. Er ist schön anzuhören, aber er ist viel mehr als Poesie. Psalm 23 lädt uns zu einem völlig neuen Lebensstil ein, der davon handelt, in der Gegenwart eines Gottes zu leben, der mehr Liebe

für uns bereithält, als wir uns jemals vorstellen können. In ihm geht es um Sicherheit und Geborgenheit, um Lebenssinn und Hoffnung, um Freude und Sorglosigkeit mitten in einer zerrütteten Welt. Er handelt davon, dass wir ruhig und gelassen bleiben können, auch dann, wenn alles um uns herum zusammenbricht. Er beschreibt einen so tiefen Frieden, der uns auch dann noch feiern lässt, wenn Feinde, Krankheiten, Sorgen und der eigene Tod schon vor der Tür stehen. Er redet davon, wie sich Zeiten der Krisen in Augenblicke einer tiefen Gotteserfahrung verwandeln können. Dieser Psalm ist randvoll mit Hoffnung, Freude und Liebe. In Psalm 23 schaut David uns fröhlich an und flüstert uns zu: „Der Herr ist dein Hirte, dir wird nichts mangeln.“ David schrieb diesen Psalm, um uns diese eine Botschaft zu überbringen, die wir schon so oft gehört haben, die aber immer noch so unbegreiflich ist: Gott ist der Hirte, der dein Leben für dich und mit dir in die Hand nimmt. Der da ist, wenn du dich nicht mehr auskennst. „Der Herr ist mein Hirte.“ In diesem Psalm gebraucht David insgesamt 96 Worte, um diese ersten fünf zu erklären. Um nichts anderes ging es ihm. Mit jedem Wort will er unsere Konzentration auf Gott richten. Mit jedem Satz sagt er: Er ist der gute Hirte. Er, der Herr. Nicht irgendeine neblige Phantasiegestalt, nicht irgendein Gott, der nur durch die Tradition besteht; nicht bloß ein frommer Gedanke, eine religiöse Lehre oder ein psychologischer Trick, sondern er, der lebendige Herr. Zur Zeit Davids haben die Menschen das Bild vom guten Hirten in einer ganz anderen Tiefe verstanden. Israel war damals ein sehr karges Land. Es gab mehr Wüsten und trockene Landschaften als alles andere. Eine frische, saftige Weide war nicht selbstverständlich, denn dafür war der Hirte zuständig. Es war seine Aufgabe, die Quellen zu finden, das Wasser auf das Land zu leiten, die Steine wegzuräumen, die Dornenbüsche zu verbrennen und auf diese Weise das Land fruchtbar machen. Eine saftige Weide war kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit eines Hirten. Gott hat an unserer Weide noch viel härter gearbeitet. Mit seinen durchbohrten Händen schuf Jesus für uns einen Weidegrund für unsere Seelen. Er rodete das Dornengestrüpp der sicheren Verdammnis. Er hob die mächtigen Felsbrocken unserer Sünde auf seine Schultern und warf sie ins Meer. Er säte das Gras der Gnade und legte Teiche der Liebe Gottes an. Wir haben einen starken, mächtigen Gott, der uns hört, egal wie es uns geht und wo wir sind. Wir haben die Liebe in Person auf unserer Seite, seinen Heiligen Geist in uns und die Ewigkeit in seiner Gegenwart vor uns. Wenn du zu diesem Hirten gehörst, dann bist du ein Mensch, der frei von seiner Sünde ist. Paulus schreibt in seinem ersten Brief an Timotheus: „Dabei ist in der Tat jeder reich, der an Gott glaubt und mit dem zufrieden ist, was er hat.“ Und selbst wenn du im Augenblick in einer verfahrenen Situation steckst und du feststellst, dass der Boden unter dir unglaublich trocken und fruchtlos ist, dann brauchst du nicht zu verzweifeln, sondern du kannst deinen Blick erheben und fragen: „Okay, Herr, wohin gehen wir jetzt? Zeigst du mir die nächste saftige Weide?“ Weil er der gute Hirte ist. (gekürzte Predigt von Stefan Piechottka, gefunden von Natascha Reitemeier)